„Kinder, die in Hinterhöfen herumlungern oder in Garagen klettern: Unsere Heinrich-Neumann-Schule, eine Förderschule mit Schwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung in Remscheid, hatte in der Nachbarschaft lange einen zweifelhaften Ruf. Immer wieder gab es Beschwerden. Seit sich vier Schulhühner auf unserem Schulhof tummeln, hat sich das Verhältnis zwischen der Schule und den Anwohnerinnen und Anwohnern spürbar entspannt.
Zwei Lehrerinnen hatten die Idee zur Anschaffung der Schulhühner – meine Zustimmung habe ich trotz anfänglicher Skepsis nicht bereut. Denn Hühner sind echte Sympathieträger, mutig, neugierig und freundlich. Vier Schulklassen kümmern sich gemeinsam mit ihren Lehrerinnen um die Hennen und lernen dabei, was Verantwortung bedeutet.
Auch die Menschen in unserer Nachbarschaft blicken neuerdings viel gnädiger auf unsere Schule. Manchmal plaudern sie vom Balkon aus mit meinen Kolleginnen und Kollegen oder schauen am Zaun dem friedlichen Treiben im Hühnerstall zu. Wir haben eine Sitzgruppe daneben aufgestellt, dort trifft sich die Nachbarschaft nachmittags sogar mit Kaffee und Kuchen. Allerdings kam es nach der anfänglichen Euphorie auch zu Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern, weil sie befürchten, dass die Tiere nicht artgerecht gehalten werden. Jetzt findet ein ‚Meet und Eat‘-Treffen am Hühnerstall statt, bei dem die Nachbarinnen und Nachbarn ihre Fragen zur Haltung stellen können. Wir erläutern die artgerechte Bio-Haltung gemäß der Verordnung, die erfolgten Ausbildungen, die tierärztliche Zusammenarbeit und verdeutlichen die Vorgaben dazu. Außerdem präsentieren wir unsere pädagogischen Ergebnisse. Dies werden wir nun jährlich wiederholen. Auch Marketingideen müssen an den ‚Markt‘ und die Standortfaktoren angepasst werden.
Unsere Schülerinnen und Schüler jedenfalls finden die Hühner großartig, weshalb wir gerade über eine ‚Chickencam‘ nachdenken: eine Webcam, mit der die Kinder die Hühner live von zu Hause beobachten können, wenn sie Einschlafprobleme haben oder ihnen einfach langweilig ist.“

Christian Knies ist Leiter der Heinrich-Neumann-Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Die Marketingidee mit den Schulhühnern bereut er nicht.



